Zweimal geimpft

Aktualisiert: Juli 26


Aller guten Dinge sind drei, oder auch nicht... Wenn der Test im letzten Dezember korrekt war, hat sich mein Körper nun schon mindestens dreimal intensiver mit dem Coronavirus befassen müssen. Beim ersten Mal in Form einer leichten, nachgewiesenen Infektion, die andern beiden Male durch die Modernaimpfung. Nach der 1. Impfung tat mir der betroffene Arm gehörig weh, so richtig krank habe ich mich jedoch nur nach der zweiten Impfung gefühlt und das zum Glück auch nur für rund vier Stunden. Wenn die Daten der Forschung stimmen, sollte ich nun mit hoher Wahrscheinlichkeit für mindestens ein Jahr vor einem schweren Verlauf geschützt sein. Ist die Krise nun überstanden? Leider bei Weitem noch nicht.

Da wären fürs erste unsere Kinder; sind sie ungeimpft stärker gefährdet als geimpfte Personen? Wird das ansteckendere Virus nun unter den ungeimpften jüngeren Menschen stärker grassieren? Bisher waren zwar dort zum Glück praktisch keine schweren Verläufe zu verzeichnen. Ich hoffe inständig, dass das auch in Zukunft so bleiben wird,

Wie gut schützt die Impfung die vulnerablen Personen? Wie gehen wir damit um, wenn trotz Impfung wieder vermehrt bei vulnerablen Personen schwere Verläufe zu verzeichnen sind, weil ihr Immunsystem weniger auf Trab ist? Stehen deshalb schon bald weitere Beschränkungen an? Wie lange werden wir dann diese aufrecht erhalten müssen? Momentan sind in der Schweiz nicht einmal fünfzig Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Unter den anderen fünfzig Prozent und auch bei einzelnen Geimpften kann sich das Virus also munter weiter verbreiten und verändern, wobei die Dunkelziffer der durchgemachten Infektionen hier mit etwas Glück doch noch mässigend auf die Fallzahlen wirken könnte. Gleichzeitig stecken sich Menschen an der EM während Publicviewings an, am Gotthard sind wieder kilometerlange Blechlawinen anzutreffen, und klimatische Veränderungen verursachen Überschwemmungen in verheerenden Ausmassen.

Junge Menschen leiden neuerdings erwiesenermassen öfter unter Existenzängsten. Wer sich nicht eingestehen mag, dass wir in einer Zeit des Wandels stehen, läuft wohl mit Scheuklappen durch die Welt.

Historisch gesehen verändert sich die Welt andauernd, es sind jedoch häufig krisenhafte Ereignisse, die Veränderungen in ihrer Geschwindigkeit geradezu potenzieren. So gesehen erleben wir gerade eine hochdynamische, spannende Zeit. Wenn da nur nicht das ängstliche Gefühl vor einer "schlechteren, schwierigen" Zukunft wäre. Aber was heisst denn überhaupt "schlechter"?

Ist es schlecht, dass durch die Krise dank intensiviertem Homeoffice die Arbeit wieder mehr zum privaten Lebensraum des Menschen zurückgekehrt ist? Ist es schlecht, dass auf Grund des geringeren Verkehrsaufkommens und dem häufigen Regen die Ozonwerte in diesem Sommer wesentlich weniger ansteigen als in anderen Jahren? Ist es schlecht, dass weltweit an gemeinsamen Lösungen der Krise gearbeitet wird?

Und doch stecken wir zur Zeit in einer Art Zwickmühle. Auf Grund immenser Unsicherheiten und Überlastung der Intensivstationen haben wir uns an sehr unliebsame Massnahmen wie Maskenpflicht, Contact Tracing, Isolation und soziale Abstandsregeln gewöhnen müssen, die wir gerne möglichst bald wieder aufgeben würden, jedoch nicht wissen, ob wir uns das leisten können.

Die Grippewelle 2015 forderte 2500 Todesopfer. Im Dezember 2020 zählte die Schweiz 5000 Todesopfer durch Corona. Die Zahlen sind also bezogen auf dieses Jahr rund doppelt so hoch als bei einer Grippewelle, auf die gesamte Bevölkerung betrachtet jedoch zum Glück immer noch eher moderat für eine "Pandemische Krisensituation". Die extremen Massnahmen während der Pandemie stehen dabei eigentlich in keinem Verhältnis zur ehemaligen schon fast masslosen Unbekümmertheit während einer normalen Grippesaison. Schon jetzt wird zur Grippeimpfung 2021 geraten. Die Kette von Ratschlägen, Massnahmen und Diskussionen geht trotz Impfung unentwegt weiter. Werden wir aus dieser Art Teufelskreis der Infektionsunterbindung je wieder herauskommen? Wenn die Ungeimpften oft eines haben, dann in vielen Fällen eine gewisse Coolness der Pandemiesituation gegenüber. Eine Gelassenheit, die durchaus auch gesund sein kann. Vor diesem Hintergrund braucht es nun etwas Mut, möglichst bald wieder ein einigermassen normales Leben zu führen und zu ermöglichen unabhängig von Impffragen. Die Risiken liegen auf der Hand; es bleibt die Hoffnung, dass eine weitere Überlastung der Intensivstationen trotzdem vermieden werden kann. Wollen wir dieses Ziel konsequent verfolgen, bleibt uns eigentlich momentan nur eine Möglichkeit: Impfen, vor allem wenn wir älter als vierzig Jahre alt sind. Aber vielleicht stecken die meisten jüngeren Menschen das Virus ja wie bisher auch in Zukunft ohne Impfung und Intensivstationen gut und ohne schweren Komplikationen weg. Wir werden es sehen....








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