Zum zweiten Mal positiv

Aktualisiert: 27. Jan.




Auch diesmal fing alles mit einem leichten Halskratzen an. Ich hatte schon einige Tage lang das Gefühl, dass mein ganzer Rachenraum in «Abwehrbereitschaft» ist. Genesen, doppelt geimpft und vor zwei Wochen geboostert. Eigentlich hätte jetzt nach Medienberichten mein «Antikörpergehalt» im Blut am höchsten sein sollen. Drei infizierte Kinder in einem gemeinsamen Haushalt waren dann wahrscheinlich doch etwas gar viel Virenlast für meinen genesenen und mehrfach geimpften Körper. Nun denn, die Komplikationsrisiken sind mit der Vorgeschichte laut Ärzten zum Glück äusserst gering.

Mitten in der Nacht hat sich das Kratzen dann in ein Brennen im Kehlkopf verwandelt und heute Morgen konnte ich praktisch keinen Ton mehr hervorbringen. Es ging alles äusserst schnell. Von einem trockenen Husten konnte man bisher eigentlich nicht sprechen. Die Nase lief schon die ganze Woche überdurchschnittlich viel und bei genügend Flüssigkeitszufuhr löste sich auch im Rachenraum praktisch schon von Anfang an gehörig Schleim.

Ich habe mal vorerst alle Termine abgesagt, sitze, lese und relaxe viel und lasse die ganze Sache über mich ergehen. Meine Frau, die als einzige noch nicht positiv getestet worden ist, ist aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen. Sie hatte schon vor zwei Jahren praktisch keine Symptome und während der ganzen Krise bisher noch nie ein positives Testresultat erhalten. Bin ich vielleicht etwas weniger vorsichtig oder einfach weniger resistent? Das ist ja egal, solange es allen bald wieder gut geht. Die Kinder haben vermutlich das Gröbste bereits hinter sich; für mich stellt sich nur noch die Frage, wie sich die Erkältung (ja, bisher fühlt es sich genauso an) in den nächsten Tagen weiterententwickeln wird. Ich erinnere mich, dass ich Ende Januar 2020 eine ganz ähnliche Erkältung eingefangen hatte, die sich später auch in den Bronchien ausgebreitet hat. Nach dieser Krankheit konnte ich damals für einige Wochen unter körperlicher Anstrengung nicht richtig wie gewohnt durchatmen. Aber damals gab es ja die Krise noch nicht, also kann das eigentlich nicht schon das berüchtigte Coronakillervirus gewesen sein, oder?

Was sicher richtig sein dürfte ist, dass wir es mit einer neuen Virenkombination zu tun haben, die für gewisse Menschen sehr gefährlich werden kann. Somit bleibt uns das Contacttracing bis auf Weiteres noch erhalten. Neuerdings sollen die Testresultate aller Schulbeteiligten in Baselland mit individuellen Codes auf einer Blockchain gespeichert werden. Das wird mich zwar nach einem positiven Testresultat vermutlich vorerst nicht betreffen. Trotzdem eine spannende aber auch etwas gruselige Entwicklung. Ueber die Entscheidung, wer jetzt positiv ist und wer nicht, wacht jetzt eine unbestechliche, kryptografische Verschlüsselung. Aber wer weiss, vielleicht verwandeln sich die annonymisierten Testresultate unverhofft in Bitcoins? Mein persönliches Erleben der Krankheit steht auf jeden Fall bis zum heutigen Zeitpunkt bisher in krassem Widerspruch zu allen Horrorszenarien. Dafür bin ich weiss Gott (sic!) dankbar. Aber es macht für mich die zurzeit durcherlebte, extrem paradoxe Situation nicht einfacher.

Noch gibt es keine Garantie auf einen glücklichen Ausgang der Geschichte. Aber gibt es diese Garantie überhaupt je im Leben? Was heisst überhaupt «glücklicher Ausgang»? Eines kann ich aber mit Bestimmtheit sagen: Ich habe heute wesentlich weniger Angst vor der Infektion als noch vor zwei Jahren (Link), und das nicht unbedingt wegen der Impfung. Es ist, wie wenn sich mein Innenleben nun besser damit abfinden könnte, dass ich sowieso eines Tages sterben werde. Würde das bald geschehen, wäre das für meine Angehörigen bestimmt sehr traurig. Aber auch Johann Sebastian Bach hat es schliesslich mit zehn Jahren als Vollwaise noch zu einem der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte gebracht. Es liegt nicht alles in unseren Händen. Ist diese Einsicht eventuell auch eine Art sekundärer Krankheitsgewinn?

Es gibt vermutlich viele Faktoren dieser Krise, die sich später als blinde Flecken erweisen werden. Haben wir in unserer Leistungsgesellschaft teilweise verlernt, einfach auch mal krank sein zu dürfen und auf unseren Körper zu hören? Welche Rolle spielt die von den Medien geschürte Angst? Verändert das Virus bei gewissen Menschen das Blutbild über einen längeren Zeitraum? Warum, bei wem und unter welchen Voraussetzungen?

Gerade die jetzige Hochphase der Ansteckungen zeigt uns doch eigentlich, wie hilflos und unbedeutend wir dem Virus gegenüber sind. Da hilft kein Kampf und kein falscher Ehrgeiz sondern vermutlich nur ein ruhiges, besonnenes mitgehen oder eben so gut es geht besonnenes «Mitsurfen», wie mein Sohn vor ein paar Tagen so schön gesagt hat.

Wir sind unterwegs in der Krise, mit der Krise, aus der Krise in die nächste Krise?

P.S. : Gerade zeigt mir die App des Analyselabors an: «App scheint infiziert zu sein, bitte deinstallieren….

(echt wahr!)

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