Wie weiter?

Aktualisiert: Juli 21


Bereits ist die Hälfte der Sommerpause vergangen. Wir haben als Familie einige schöne Tage im Appenzellerland verbracht. Dank unserer Schwiegermutter konnten meine Frau und ich sogar auch wieder einmal etwas Zeit in trauter Zweisamkeit geniessen. Aber auch die Ferien mit den Kindern waren schön. Wir wanderten, badeten, spielten in einer scheinbar unbeschwerten Zeit. Manchmal frage ich mich, wieviel die Kinder von der momentanen Krisensituation überhaupt mitkriegen. Als ich in ihrem Alter war, hing während des kalten Kriegs ein atomarer Konflikt als ständige Bedrohung in der Luft. Unmittelbar nach der Katastrophe von Tschernobyl mussten wir sämtliches radioaktiv kontaminiertes Gemüse unseres Gartens entsorgen. Ein paar Jaher später weckten uns mitten in der Nacht die Sirenen, die unmittelbar nach der Sandozkatastrophe die ganze Region Basel in Angst und Schrecken versetzten. Auch wenn all diese Situationen bedrohlich waren, sind sie mir doch als Teil meiner Kindheit nicht unbedingt traumatisch sondern eher abenteuerlich in Erinnerung geblieben. Alle erwähnten Bedrohungslagen liefen glücklicherweise glimpflich ab und hatten keine weitreichenden, längerfristigen Folgen für unser direktes Umfeld.

Seit der Jahrtausendwende haben sich die Katastrophenszenerarien und deren Berichterstattung jedoch tiefgreifend verändert. Während meine Erfahrungen als Kind meist begrenzt waren, nahmen die Dimensionen der Ereignisse im 21. Jahrhundert räumlich und zeitlich plötzlich zu. Die Coronakrise, die nun bald ein halbes Jahr lang dauert, stellt in ihren Ausmassen und unmittelbaren Auswirkungen alles in den Schatten, was ich bisher erlebt habe. Doch es lässt sich auch in einer Coronakrise so etwas wie ein normales Leben führen. Das zeigen die vielen alltäglichen Ereignisse, die so oder so einfach geschehen.

Es ist momentan schon nahezu normal, dass wir nicht wissen, wie es weiter geht. Werde ich nach den Ferien mit Maske unterrichten? Wie soll singen ohne Ansteckung möglich sein? Welche Risiken bestehen? Wie werden die Schutzmassnahmen weiter verfolgt? Welche Folgen sind längerfristig zu erwarten? Fragen über Fragen, die leider auch von Expertinnen und Experten nicht wirklich beantwortet werden können und daher eher verunsichern und nicht viel bringen.

Im Moment leben und die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Kurzfristig reagieren und agieren, flexibel bleiben, Pläne und Absichten laufend anpassen. Sich auf das Wesentliche beschränken; sinnvoll handeln und entscheiden. Nachsichtig, zuversichtlich, respektvoll und so gelassen wie immer möglich...Das zu lernen und wieder wie ein Kind als situative Herausforderung zu nehmen, hilft mir persönlich zur Zeit am meisten.

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