Aufgeschoben ist nicht aufgehoben


Heute würde es beginnen, das Europäische Jugendchorfestival in Basel. Seit der Gründung des Ejcfs war ich fast immer dabei. Zuerst als Chorsänger später als Zuschauer und interessierter Chorleiter. Am letzten Festival nahmen wir mit dem Kammerchor des Gymnasiums Muttenz im internationalen Feld teil (siehe ältere Blogs); das war für alle Beteiligten ein absoluter Höhepunkt. Noch vor wenigen Monaten steckten wir am Gymnasium Muttenz noch voll in den Vorbereitungen der diesjährigen Ausgabe. Auf dem Programm standen neuere Stücke international bekannter Chorkomponisten und ich war einmal mehr darum besorgt, unserem Chor auch etwas "regionalen touch" zu geben. Es wäre sicher ein spannender Beitrag zur geplanten "Gymchormatinee" geworden. Daraus wird nun nichts, oder zumindest mal vorerst nichts. Das Festival wurde um ein Jahr auf Auffahrt 2021 verschoben.

Seit Mitte März steht die Arbeit in den Chören europaweit oder gar weltweit nun schon still. Besonders verheerend ist das für professionelle Ensembles aber eigentlich für die ganze Szene. Zwar haben sich gewisse Elemente der Chorarbeit ins Netz verlagert, aber das ist nicht wirklich ein Ersatz für die echte, konkrete Chorarbeit. Während in virenfreien Zeiten in den Schweizer Medien in der Regel wenig über Chormusik berichtet wird (Zitat eines Journalisten: "interessiert einfach niemanden...") sind im momentanen Coronamedienhype plötzlich namhafte Zeitungen aufgesprungen und haben reisserische Artikel zur Chorszene in der Coronakrise publiziert. In der NZZ trug ein Artikel sogar den Titel "Wenn singen tötet" (Was überlegt sich eigentlich jemand, der einen solchen Titel setzt...?). Tatsächlich sind leider neben Tourismusgebieten, Fashionweeks und Versammlungen von Freikirchen teilweise auch einige Chöre zu Infektionsherden geworden. Kurz vor dem "lockdown" habe ich auch noch mit meinem Kammerchor geprobt; es war eine gute Probe. Wäre jedoch damals eine der Sängerinnen und Sänger mit dem Virus infiziert gewesen, hätte das eventuell schwerwiegende Konsequenzen haben können. Zum Glück war dem nicht so; zusätzlich war damals auf Grund der Verbreitung des Virusˋ das Risiko einer Infektion noch äusserst gering. Übrigens ist auch heute das Risiko einer Infektion bei rund 20-30 Fällen pro Tag wesentlich geringer, als in der Schweiz in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden. Die Aufklärung in den Medien war zusätzlich derart intensiv, dass auch die Dunkelziffer stark geschrumpft sein dürfte. Doch das gemeinsame Leben wurde über längere Zeit in ganz Europa derart stark heruntergefahren, dass an eine Durchführung des Ejcfs in diesem Jahr schon länger nicht mehr zu denken war. Erinnern wir uns also daran, wie es im 2018 war, als Chöre aus ganz Europa friedlich bis frenetisch gemeinsam auf hohem Niveau die ganze Stadt Basel besungen und für einige Tage in ein Mekka des Jugendchorgesangs verwandelt haben. Im Frühjahr 2021 ist es wieder soweit. Möge die Krise bis dann überwunden sein!

Als kleine Erinnerung das Stück "Am Acher" aus dem Konzert "Swiss Songbridge" des letzten Festivals. Der Text stammt vom Muttenzer Lehrer Traugott Meyer, der nach Hebels Vorbild so etwas wie ein Urvater der Baselbieter Mundartdichtung war (Die eigenen Wurzeln lassen mich einfach nicht los..). Stefan Furter, der den Chorsatz dazu geschrieben hat, ist ein Baselbieter Konzertpianist und Chorleiter, der seit Jahren interessante, eigene Chorstücke aus eigenem, künstlerischem Antrieb schreibt. Ja, das gibt es auch in der Region Basel und nicht nur im Bünderland oder Kanton Freiburg. Basel und Umgebung; ein internationaler, zukunftsträchtiger Jugendchorhotspot...



Am Acher, Traugott Meyer (1895-1959)


Isch sHärz nid grad eson en Acher?

Und goht nit au e Pflueg derdur?

Sgit ämmel Fure wien i gespüre.

I glaub, die tuet e kaine dur!


Und schlarpt nit dä und deine drüber,

duruuf durab und eegt und säit?

Und gits nit Chläbere und Dischtle?

Waiss Gott, wies die drinyne wäit!


Und öppis druuf, wenn i däm Acher

ai gääle Halm am andere stoht-

Was luuschterisch? Ghörsch eine wetze?

Kai Chumber us em Chorn gits Brot.










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