Theater Basel: "Trallalali, trallalala!"; ein dadaistischer Kinderspielplatz

Aktualisiert: 12. Juni


Foto: Ingo Höhn


Umrahmt von Ziegelwänden sieht die Bühne mit ihren abstrakten Spielelementen wie ein futuristischer, städtischer Innenhof aus. Das Spiel beginnt im Versteckten. Eingebettet in Summklänge erscheinen Kindergruppierungen und verschwinden wieder hinter quietschenden Schiebewänden.

So beginnt die Kinderoper «Trallalali, trallalala!», die Hubert Wild mit rund dreissig Kindern und einem Krativteam am Theater Basel entwickelt hat. Im Zentrum des Geschehens steht das kindliche Spiel mit Nonsens. Es wird auf der Bühne genüsslich gefurzt, geröhrt, gekreischt, gejault, getanzt und die Kinder haben sichtlich Spass an der Sache.

Während einer vollen Stunde wird praktisch kein einziges, konkretes Wort gesprochen. Es werden viel mehr Wort- und Klangfetzen produziert und viele bewegte Bilder bilden ein farbiges, eindrückliches Gesamtkunstwerk. Die Kinder agieren in verschiedenen Gruppen; mal gegeneinander, mal miteinander, mal kanonisch oder im Wechsel angeordnet. Trippelnde Häschen, Schwäne, tanzende Mädchen, prahlende Jungs erzeugen mit kurzen, teilweise akrobatische Bewegungen bewegte bis gar berauschende Bilder.

Besonders raffiniert ist die Interaktion der Darstellerinnen und Darsteller mit dem Sounddesign. Signaltöne, auf die die Kinder reagieren, geben den Szenen eine formale Struktur, die Stimmen werden akkustisch verstärkt und abgewandelt, dumpfe, unheimliche Basstöne entwickeln sich zu beatartigen Patterns. Daraus entstehen faszinierende Klangbilder, fern von gängiger Dur- und Molltonalität und stimmig ins Gesamtkonzept eingewoben, manchmal vielleicht etwas gar laut abgemischt.

Besonders prägend sind Situationen der Aufführung, in denen die Kinder akkustisch mit Elementen des Bühnenbilds korrespondieren. Die Kinder können Ufos, Röhren, und stangenähnliche Gebilde selber steuern und mit der Stimme beeinflussen; gleichzeitig steuern auch die Bühnenelemente das unmittelbare Geschehen in gewissen Szenen; es entsteht ein spannendes, abwechslungsreiches Wechselspiel.

Die visuellen und akustischen Eindrücke der Aufführung sind ausgesprochen dicht. Teilweise geschieht derart viel, dass man sich fast etwas überfordert fühlt und versucht ist, abzuschweifen. Etwas mehr Reduktion hätte der Aufführung den nötigen Raum und die Luft geben können, den vielen tollen Ideen noch mehr Wirkung zu verleihen.

Das Gesamtkonzept überzeugt und berührt gar in gewissen Momenten. Auch wenn auf der Bühne eine Nonsenswelt dargestellt wird , erzeugt das Spiel gerade dadurch in vielen Phasen persönliche Assoziationen. Eingebettet in eine Art Traumwelt werden wir an eigene Kindheitserinnerungen und Erfahrungen erinnert. Assoziativ und unbewusst und nicht wirklich immer erklärbar.

Vor ein paar Jahren wollte mir eine Fachhochschuldozentin weismachen, dass ein Kind nicht ein wirklicher Künstler oder eine wirkliche Künstlerin sein könne. Dafür brauche es eine gewisse «Erwachsene Reife». Ich hatte schon damals ernsthafte Zweifel an dieser Aussage.

Die Aufführung von «Trallalali, trallalala!» hat das Gegenteil bewiesen. Kinder können Kunst und können aktiv in Kunstprozesse eingebunden werden. «Trallalali, trallalala!» am Theater Basel ist ein wunderbares Beispiel dafür. Absolut sehens- und hörenswert!


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