Tag der Chormusik No. 2, "Swiss Made"


Während die Pauluskirche erst nach Umbauarbeiten Ende September wieder eröffnet wird und längerfristig zu einem Zentrum für Chormusik werden soll, hat in diesem Jahr der Tag der Chormusik organisiert vom Chorverband beider Basel für einmal im grossen Saal der Musikakademie Basel stattgefunden. Wie wird sich die Chorszene in Zukunft entwickeln? Welchen Stellenwert hat das gemeinsame Singen in unserer Gesellschaft? Wie verhalten sich die Generationen im Chorwesen zueinander? Wie können wir darauf hinarbeiten, dass die Begeisterung für Chormusik auch bei den jüngeren Generationen in einer gewissen Breite mehr ankommt? Diese Fragen standen in einer Referate- und Diskussionsrunde am Morgen des Tags im Zentrum. Dabei zeigte sich bald, dass sich das Chorwesen in der Region Basel sehr dynamisch und unterschiedlich entwickelt.

In der Stadt wird mit chorspezifischen Schulprojekten und durch die Präsenz grosser Chorschulen und der Musikhochschule starke Grundlagen- und Vermittlungsarbeit geleistet. Auf dem Land hingegen zeigt sich, obwohl hier mehr Menschen leben als in der Stadt, ein viel heterogeneres Bild. Eine wichtige Rolle in der Vermittlung von Chormusik im Kindes- und Jugendalter haben hier die Musik- und Volksschulen. Gerade die zweiten sind jedoch zur Zeit sehr stark mit anderen Fragen und Herausforderungen konfrontiert und vermutlich froh, dass bei den Jungs wenigstens im Fussball noch so etwas wie ein kultureller Austausch stattfindet; Singen liegt häufig nicht hoch im Kurs und Schulchöre und Chorsingen hängen stark von Engagement und Initiative einzelner Lehrpersonen an den einzelnen Schulstandorten ab. Gleichzeitig sind viele eher dörflich orientierte Chorgemeinschaften (Gemischte Chöre, Frauenchöre) verschwunden oder eher überaltert. Es fehlt damit oft auch an Vorbildern und vorgelebten Modellen. Chorsingen interessiert auf dem Land zur Zeit tendenziell weniger und muss leider eher als Randerscheinung bezeichnet werden.

Eine meiner Thesen im Einstiegsreferat war, dass dieser Dynamik mit Förderprojekten begegnet werden könnte, was interessanterweise nicht von allen Teilnehmenden auf dem Podium zwingend unterstützt wurde, da es ja im Chorwesen ja schon genug Projekte gäbe. Oft wurde auch erwähnt, dass vielen Leuten schlicht die Grundlagen für das Chorsingen fehlen würde und daher eher verunsichert nicht in Chören singen würden. Das könne sogar so weit gehen, dass einzelne Personen seit ihrer Schulzeit ein derart traumatisches Verhältnis zu ihren eigenen Singfähigkeiten entwickelt haben könnten, dass für sie Singen im Chor gar nicht in Frage käme.

Ein wichtiger Faktor in der Förderungen des Chorsingens in der Gesellschaft ist die Sensibilisierung der Jugend. Überall wo junge Menschen für das Chorsingen begeistert werden können, wird ein Same gelegt, der später bestenfalls wieder eine neue Chorblüte hervorbringen kann. Bezogen auf die Landschaft setzt eine intensive Förderungen oft erst auf der Sekundarstufe zwei wirkungsvoll ein. Wer keine Mittelschule besucht, hat in diesem Fall meist Pech gehabt, weil es auf dem Land praktisch keine eigenständigen Jugendchöre im Alterssegment ab 16 Jahren gibt.

Am Nachmittag des Chortags fand anschliessend ein Workshop mit den Basler Madrigalisten zum Thema «Swiss Made» statt. Unter der kompetenten Leitung von Raphael Immoos, Professor für Chorleitung an der Musikakademie Basel, wurden Werke von Schweizer Komponisten wie Joachim Raff oder Othmar Schoeck in Vergleich zu ihren bekannteren Zeitgenossen gestellt. Dabei zeigte sich, dass sich die Schweizer nicht zu verstecken brauchen und durchaus auch viele geschickt gesetzte Chorsätze geschrieben haben.

Der Workshop war für junge Menschen gratis. Erfreulicherweise haben über zwanzig junge Sängerinnen und Sänger aus der Basler Chorszene, teilweise auch aus dem studentischen Umfeld der Musikhochschule von dieser einmaligen Möglichkeit, mit einem professionellen Ensemble zu singen, Gebrauch gemacht. Das Niveau in der Probenarbeit war entsprechend hoch und der Klang des Ensembles sehr ansprechend. Zusätzlich haben auch einige Chordirigentinnen und Chordirigenten das Angebot als Weiterbildung genutzt und die einstudierten Werke wurden am Abend im grossen Saal der Musikakademie präsentiert.

Somit hat auch der 2. Tag der Chormusik guten Anklang gefunden und die stärkere Vernetzung im Chorwesen konnte weiter vorangetrieben werden. Der 3. Tag der Chormusik findet am 26.8.2023 vermutlich wieder in der Pauluskirche statt. Dort sollen die neuesten regionalen Chorplattformen präsentiert und diskutiert werden. Es gibt ja wirklich viele neue, innovative Projekte in diesem Bereich. Anschliessend wird sich zeigen, wie und in welcher Form der «Tag der Chormusik» in Zukunft weiter geführt werden soll.





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