Oktober der Widersprüche


Die Fallzahlen steigen in der Schweiz an wie nirgendwo sonst in Europa. Auch wenn Erklärungen dafür gesucht werden, gibt es eigentlich keine, ausser der Tatsache, dass das Virus in Innenräumen ansteckender ist als draussen. Ein Umstand, der unabhängig von der Coronakrise schon längst bekannt sein und Wissenschaftlerinen und Wissenschaftler nicht überraschen dürfte.

Wir haben trotz der Krise einen schönen Sommer verbracht. Reisen war wieder in kleinerem Rahmen möglich. Auch Ferien konnten wir machen und ich vermute, dass der Sommer für unsere Kinder fast ein normaler Sommer war. Die neue Normalität hat durchaus Wirkung gezeigt und uns tatsächlich für einige Monate lang ein mehr oder weniger normales Leben mit dem Virus beschert.

Die ganze Schweiz ist dabei häufig zum Modus „Normalität wie vor der Krise" zurückgekehrt. Die Autobahnen sind wieder verstopft, die Restaurants an Wochenenden voll, Konzerte finden wieder statt, ja sogar die Grossveranstaltungen konnten jüngst wieder stattfinden. Auch wenn überall Sicherheitskonzepte zur Anwendung kommen zeigt sich in den steigenden Fallzahlen, dass die Sicherheit trügerisch gewesen ist. Das Virus ist immer noch da, kriecht jetzt plötzlich in der ganzen Schweiz aus allen Löchern hervor und greift unmittelbar schneller um sich, als das im Frühjahr noch der Fall war.

In den Medien wird uns tagtäglich gepredigt: „Fahrt Euer gesellschaftliches Leben zurück. Reduziert Eure sozialen Kontakte. Haltet Euch an die Schutzkonzepte." Da die Entwicklung jedoch vom Verhalten jeder einzelnen Person abhängt, sind Probleme vorprogrammiert. Regelmässig ertappe ich auch mich dabei, wie Risiken entstehen, die gar nicht offensichtlich sind. Ja, ich knuddle meine Kinder noch! Auch wenn sie jeden Tag bei steigenden kantonalen Fallzahlen von der Schule zurückkehren. Zuhause tragen wir zum Glück prinzipiell keine Masken, auch wenn hier das Ansteckungsrisiko erwiesenermassen am höchsten sein dürfte.

Kürzlich habe ich in einem Artikel gelesen, dass die wiedersprüchlichen Informationen, Lebensweisen und Anforderungen vermehrt psychische Probleme hervorbringen könnten. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber wir leben als Familie zur Zeit in einem grossen Wiederspruch zwischen dem normalen Familienalltag und den immer stärkeren, gesellschaftlichen Spannungen, Einschränkungen, Massnahmen und Anforderungen. Gemäss meinen Beobachtungen verhalten sich viele trotz Warnungen zur Zeit häufig in ihrem gewohnten Alltagstrott. Zuhause mache ich das auch und die Familie ist dabei zu einem wichtigen, stabilen Rückzugsort geworden. Aber auch viele gesellschaftliche Begegnungsformen wie Vereinsaktivitäten und andere Treffen finden seit dem Sommer der neuen Normalität wieder regulär und häufig statt und mit ihnen steigt auch das Risiko, sich mit dem Virus anzustecken. In meinem Umfeld werden in allen Altersklassen Feste gefeiert, Konzerte besucht, Reisen gemacht, Turniere abgehalten und vieles mehr. Es dürfte die Summe unserer Aktivitäten sein, die die Ansteckungszahlen wieder ansteigen lässt, weil sie wie schon erwähnt nun vielerorts drinnen stattfinden.

Welche Massnahmen helfen, damit dadurch unser Gesundheitssystem nicht an die Wand gefahren wird? Zuhause werde ich wie gesagt keine Maske anziehen solange alle gesund sind. Aber unsere geliebten, vielseitigen, externen familiären Aktivitäten neben Schule und Arbeit fahren wir zur Zeit herunter. So versuchen wir zumindest in kleinem Mass dazu beizutragen, dass sich das Virus nicht weiter verbreitet. Dabei sind wir momentan oft noch alleine und ernten verständlicherweise auch kritische Bemerkungen bei Gruppenleitungen und Vereinen. Es ist der Oktober der Widersprüche. Bleibt gesund - lebt gesund...alles neu macht der Mai...


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