Offenes Singen in der Kulturkirche Paulus

Aktualisiert: 8. Okt.





Als Chorleiterinnen und Chorleiter sind wir meistens in der Situation, dass wir mit einer bestehenden Gruppe in wöchentlichen Proben oder auch phasenweise Chorstücke bis zur Konzertreife erarbeiten. Gerade im Laienbereich kommen viele Sängerinnen und Sänger aber auch noch mit weiteren Erwartungen in eine Chorprobe: Sie möchten ein gemeinsames, stimmiges Musizieren erleben und nicht zu letzt auch soziale Kontakte pflegen. Gemäss meiner Beobachtung ist es oft gar nicht so einfach, für neue Sängerinnen und Sänger, rasch Zugang zu einer bereits bestehenden Chorgruppe zu finden. Viele lokale Gepflogenheiten haben sich seit Jahren bereits eingespielt, alle haben ihr gewohntes Stammplätzchen und kennen das Repertoire teilweise in- und auswendig. Ein findiger Kollege hat am Tag der Chormusik zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass man für neue Sängerinnen und Sänger eines Chors eigentlich je nach Vorerfahrung einen Einführungskurs anbieten müsste, um genau diese Hemmschwellen etwas abzubauen.

Jede Musiklehrperson, die an einer Schule unterrichtet, ist sich gewohnt, mit ganz unterschiedlichen Gruppen gemeinsam zu singen und zu musizieren. Auch ich mache das nun seit über zwanzig Jahren so und beobachte bis heute, dass beim gemeinsamen Singen jede Gruppe eine ganz eigene Dynamik und Entwicklung durchmacht. Beim gemeinsamen Singen gibt es keine Sieger und keine Verlierer sondern es geht in erster Linie darum, im Moment einen gemeinsamen Klang zu erleben, sich quasi darin gut aufgehoben zu fühlen und am selben Strick zu ziehen. Im Idealfall kann eine Gruppe nach längerem Training daraus einen Chorklang entwickeln, den alle gemeimsam als bereichernd und faszinierend empfinden.

Nun hat das Chorsingen in der Öffentlichkeit nicht unbedingt überall einen sehr guten Ruf und nicht selten höre ich in meinem Umfeld Bemerkungen wie: "Nein, ich singe in keinem Chor, das möchte ich niemandem antun." Nun ist es leider so, dass viele Institutionen unserer Gesellschaft, in denen über Jahrhunderte das gemeinsames Singen stark gepflegt worden ist, eher an Bedeutung verloren haben. In der Schule ist das Singen beispielsweise stark von der Lehrperson und der Vorerfahrung der Klasse abhängig. Auch in der Kirche hat das Chorsingen je nach Kirchgemeinde wahrscheinlich schon höhere Blüten erlebt.

Mit scheint daher wichtig, dass aktuell Situationen geschaffen werden, an denen Menschen möglichst niederschwellig gemeinsam singen können. Es geht dabei nicht in erster Linie um Perfektion, sondern um ein möglichst intensives, gemeinsames musikalisches Erlebnis und es ist schon viel erreicht, wenn es dabei gelingt, mit eher zufällig zusammengewürfelten Menschen, ein Singerlebnis zu schaffen, und sei es nur in Form eines eher rundimentären Fangesangs.

Im Vorstand der Kulturkirche Paulus haben wir daher beschlossen, in Zukunft auch offene Singen anzubieten, um niederschwellig gemeinsame Singerlebnisse zu ermöglichen. Am Montag, dem 24. Oktober, ist es zum ersten Mal so weit und wir werden gemeinsam um 19.30 mit den singstimmen baselland in der immer noch neu eröffneten Kulturkirche ein erstes offenes Singen durchführen. Alle Interessierten und "Gwundrigen" sind herzlich eingeladen an diesem Abend mit uns eine Stunde mit gemeinsamem Chorgesang zu verbringen.









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