Musikunterricht in der Quarantäne


Nun stecken wir also seit einer Woche quasi alle in Quarantäne. Alle Konzerte, Proben, Unterrichtsformen und überhaupt sozialen Ereignisse mit persönlichen Begegnungen ausserhalb der eigenen vier Wände sind abgesagt. Da wir drei Kinder (4,7,10) haben wird uns dabei überhaupt nicht langweilig. Wir sind stets damit beschäftigt, Aktivitäten zu planen, zu strukturieren, Konflikte zu schlichten, Unterstützung anzubieten, zu trösten, uns abzugrenzen.....und parallel dazu noch Homeoffice zu betreiben.

Eine ganze neue Herausforderung der letzten Woche war, Musikunterricht im Fernunterricht zu planen und durchzuführen. Geht das überhaupt? Ja es geht. Es fehlt einfach ein wichtiger Aspekt: Das gemeinsame Musizieren im Moment. Daher bin ich noch ganz froh, wenn wir zuhause in der Familie ab und zu gemeinsam ein Lied spielen oder singen können.

In dieselbe Richtung gehen auch meine praktischen Aufträge im musikalischen Fernunterricht. Neben musikalischen, stofflichen Inhalten und Übungen versuche ich, die Schülerinnen und Schüler zu motivieren, selber zu Hause musikalisch aktiv zu werden. Eine neue Bewegung, die zur Zeit medial verbreitet wird, sind musikalische Balkonkonzerte. So habe ich schon einige schöne Links zu selbst erstellten Balkonkonzerten aus der Schülerschaft erhalten und selber auch schon ein paar Beispiele dazu erstellt. Auch kleine musikalische Übungen können zu Hause aufgenommen und mir zugänglich gemacht werden. Mit dieser Form wird sogar ein wirksamer Unterricht mit durchaus respektablen Entwicklungen möglich.

Die Wirksamkeit des Fernunterrichts hängt jedoch nach meiner Beobachtung noch viel mehr von der Motivation der einzelnen Schülerin oder des einzelnen Schülers ab als vorher. So konnte ich nach einer Woche beobachten, dass vorwiegend diejenigen Schülerinnen und Schüler sich aktiv am Fernunterricht beteiligen, die auch schon im regulären Unterricht vermehrt aktiv waren. Die anderen halten sich meist wie eh und je dezent zurück. Dies führt dazu, dass Eigeninitiative mit Lernfortschritt belohnt wird. Ein bewärtes Unterrichtskonzept mit Schattenseiten. Vor diesem Hintergrund mache ich mir daher im Fernunterricht um die aktiven meist parallel dazu auch starken Schülerinnen und Schüler überhaupt keine Sorgen. Sie werden vom Fernunterricht profitieren, wie sie auch vom Regelunterricht profitieren können. Problematischer wird es bei den passiven Schülerinnen und Schüler, die aus verschiedenen (oft sozialen) Gründen nur wenig Motivation für den Onlineunterricht wie auch vorher schon für den Regelunterricht aufbringen können. Ihnen Hilft meist die Einbindung in ein soziales Netzwerk an der Schule, doch noch das eine oder andere aus dem Unterricht mitzunehmen. Doch genau dieses Netzwerk fällt jetzt zu einem grossen Teil weg.

Wie schon mehrfach berichtet, müssen wir uns daher auch im Schulbereich in dieser anspruchsvollen Krise vor allem auch um die Schwächeren oder vielleicht wäre es besser zu sagen die "in gewisser Hinsicht Benachteiligten" kümmern, damit sie nicht auf der Strecke bleiben. Herausfordernd aber durchaus machbar.

Anbei ein kleines Balkonkonzert eines Schülers:



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