Mit allen Registern: Crossover zwischen Chor- und Volksmusik

Aktualisiert: Nov 22



Bereits sind zwei Wochen seit den Konzerten vergangen und die Klänge klingen innerlich immer noch nach. Das Konzert «Mit allen Registern» war für alle Beteiligten der Schluss- und Höhepunkt eines intensiven und schönen Projekts. Natürlich gab es da die einen und anderen coronabedingten Beschwernisse, die unsere Arbeitsbedingungen beeinträchtigten, am Schluss war aber bei allen Teilnehmenden die Motivation und Freude im Vordergrund spürbar, das vielseitige Programm einem dankbaren Publikum zu präsentieren.

Die Idee des Projektes war, nicht nur einzelne Stücke der beteiligten Gruppierungen aneinanderzureihen, sondern auch musikalische Wege zu suchen, wie sich die verschiedenen Klanggruppen klanglich innerhalb der Stücke begegnen und ergänzen könnten. Das Setting des Konzerts mit professionellen Musikerinnen und Musikern in Kombination mit zwei Laiengruppierungen hatte sich dabei als sehr fruchtbar erwiesen.

Alle Beteiligten waren in gewisser Weise am kreativen Prozess des Projekts mitbeteiligt. Die gemeinsamen Stücke klanglich zu erproben und neue Arrangements zu entwickeln, war ein spannender Prozess. Chorsängerinnen und Chorsänger schrieben eigene Verse zu Ostschweizer Ratzmelodien, die Örgeligruppe lernte, vierstimmige Chorsätze mit Dirigat und Noten zu begleiten.

Am Anfang des Projekts war Vieles noch völlig offen. Schliesslich mussten vor allem die Laiengruppierungen teilweise völlig neues Terrain betreten. Doch vermutlich auch dank einer umsichtigen Projektleitung entwickelte sich schon sehr bald eine konstruktive Zusammenarbeit, die sich in einer angenehmen, kooperativen Probeatmosphäre äusserte.

Als Beispiel der musikalischen Zusammenarbeit und Konzeption möchte ich das Arrangement zum Volkslied «du fragsch mi, wär i bi» (Aufnahmelink weiter unten) speziell erwähnen. Das Lied ist in der Chorszene wohl bekannt und es ging auch in diesem Stück darum, neue klangliche Aspekte zwischen Örgeligruppe und Chorsatz zu realisieren. Die Singstimmen kennen das Lied in zwei verschiedenen Versionen; einer Version von Hugo Dudli, einem ehemaligen Chorleiter des damaligen Lehrergesangvereins, und in der schweizweit bekannten Version vom bei Europa Cantat assoziierten Chorleiter und Pianisten Hansruedi Willisegger. Die beiden Sätze könnten klanglich nicht unterschiedlicher sein. Der Willisegger-Satz ist choralartig quasi nach bachschem Vorbild homophon sehr treffend gesetzt. Der Satz von Hugo Dudli hingegegen geht eher von einem Orgelpunkt, über dem sich die Harmonien entwickeln, aus.

Schon vor Jahren hatte ich zusätzlich die Idee, die suchende zweite Strophe nach dem Vorbild von Nysteds «komm süsser Tod» nach einem Choral von J.S. Bach zu realisieren. Dabei können alle einzelnen Stimmen ihr Tempo bis zum Schlussakkord jeder Phrase selber bestimmen. So entstehen neuartige, clusterartige Klänge, die für jeden Laienchor einfach realisierbar sind. Dieses Modell hat sich seit Jahren bewährt, wenn es darum geht, «zeitgenössische Musikpraktiken» einfach zugänglich und erfahrbar zu machen.

Das Arrangement aus dem Konzert verbindet nun die bereits erwähnten klanglichen Ideen. Ausgehend von geräuschhaften Elementen ("Örgelischnuufe") und einem Orgelpunkt entwickeln sich freie Melodien, bevor sich schliesslich der Satz von Hugo Dudli über der 1. Strophe des Lieds aufbaut. Anschliessend wird in der 2. Strophe das «Nystedprinzip» von beiden Ensembles aufgenommen. Es entstehen neuartige Klänge, die sich improvisierend im ganzen Raum ausbreiten. Zum Abschluss etabliert sich der Satz von Willisegger, der am Ende sanft verklingt.

Mit allen Registern haben wir gespielt und viele klangliche Register gezogen. Chormusik und Volksmusik aus einem Guss. Wer das Konzert noch hören möchte: Wir werden es am Abend des 10. Februar 2022 in der Pauluskirche in Basel noch einmal aufführen.


Du fragsch mi, wär i bi

S'Emmeli und de Franz

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