Festival (fast) ohne Publikum

Aktualisiert: Mai 20


Am Mittwoch hat es begonnen, das Europäische Jugendchorfestival in Basel. Lange war völlig unklar, in welcher Form das Festival überhaupt durchgeführt werden könnte. Die Leitung musste auf Grund sich ändernder Schutzkonzepte und Absagen diverser Chöre das Programm regelmässig auf den Kopf stellen. Mit viel Geduld und Beharrlichkeit konnte am Ende doch noch ein spannendes, vielfältiges Programm mit Schiffsfahrten, Livestreams, Workshops, Chorbegegnungen und Weiterbildungsmöglichkeitein zusammengestellt werden, das allen Widerständen zum Trotz nun auch reichlich genutzt wird.

Meine Arbeit als Chorleiter und Musiker findet hauptsächlich an einem Gymnasium statt. Als öffentliche Schule steht diese Institution seit Beginn der Krise unter Argusaugen der kantonalen Behörden. So musste sich schon bald nach Schulbeginn unser ganzer Sopran auf das Virus testen lassen, Zum Glück konnten damals keine weiteren Fälle gefunden werden. Ich hätte andererseits nicht gedacht, dass seit letztem Sommer derart wenig Fälle bei uns an der Schule auftauchen würden. Ich gehöre immer noch zu der Minderheit von Lehrpersonen, die jemals positiv auf das Virus getestet wurden. Insofern haben die Schutzkonzepte an unserer Schule vermutlich wirklich Wirkung gezeigt.

Aber diese Medaille hat auch eine Kehrseite. So waren bis vor Kurzem sämtliche Exkursionen ausserhalb des Schulgeländes bei uns verboten und an Begegnungen mit Gruppierungen aus anderen Schulen ist auch jetzt gar nicht zu denken. Selbst die Abschlussfeiern finden nach Klassen getrennt und ohne Publikum statt. Daher war für uns als Chor eine Teilnahme am Festival auf Grund der kantonalen Schutzkonzepte für öffentliche Schulen gar nicht mehr möglich.

Für Gruppierungen ausserhalb des öffentlichen Schulsektors oder aus Kantonen mit anderen Schutzkonzepten sieht das jedoch anders aus. Und so kann man in den Streamings verfolgen, dass doch einige Chöre ausschliesslich aus der Schweiz ihren Weg nach Basel gefunden haben. Und sie singen, teilweise mit Masken, aber sie singen und das erst noch gut! Wenn man das Festival kennt, kann man auf diese Weise doch noch etwas Stimmung davon mitnehmen. Aber eigentlich klappt das nur dann, wenn man sich daran erinnert, wie toll diverse Konzerte in den letzten zwei Jahrzehnten doch waren! So singen die Chöre zwar ohne Publikum, viele Menschen verfolgen die Streams jedoch von zuhause aus , kommentieren sie und und sind auf diese Weise doch noch irgendwie dabei.

Wir hätten es uns alle anders gewünscht, das ist klar. Wenn ich jedoch beobachte, mit welcher Hingabe und Qualität die jungen Menschen selbst ohne Livepublikum singen, dann erfüllt mich das mit grosser Freude. Die Coronakrise wird vorbeigehen und es wird wieder Chorkonzerte gaben, die uns spüren lassen, dass eben nichts über die unmittelbare direkte Konzerterfahrung geht. Chorsingen vermag Brücken zu schlagen, unmittelbar Emotionen zu wecken und kann durchaus auch heilsam wirken…Das nächste Festival kommt bestimmt!



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