Das politische Dilemma der dritten Welle

Aktualisiert: Feb 21

Seit Wochen sind die Fallzahlen in Baselland verhältnismässig tief bei weit unter hundert Fällen pro Tag geblieben. Eigentlich wurden ursprünglich im letzten Herbst verschiedene Eskalationsstufen definiert, die auch rasche, abgestufte Lockerungen möglich machen würden. Offensichtlich sind diese im Zuge der Angst vor Mutationen Makulatur geworden. Zusätzlich wurde nie wirklich untersucht und erprobt, unter welchen Umständen Chorproben ohne Ansteckungsrisiken noch möglich sein könnten. Seit Herbst herrscht daher in der Laienchorszene absolute Funkstille. Verschiedenste Versuche, einen vernünftigen Dialog mit den Behörden zu führen, sind kläglich gescheitert. Während Beizen und ganze Skigebiete teilweise wieder geöffnet wurden und offensichtlich das Infektionsgeschehen punktuell wieder angeheizt haben, wurde der Laienchorszene nicht die geringste Öffnung zugestanden. Es kam nicht einmal im Ansatz dazu, sich für einmal zu überlegen, in welcher Form Chorsingen im Laienbereich mit hoher Sicherheit doch noch möglich sein könnte. Meiner Meinung nach ist das ein absoluter Skandal. Die Ignoranz der Behörden einer ganzen Szene gegenüber macht wütend. Natürlich geht es im Laienchorbereich nicht vorwiegend um Geld und existenzielle Fragen, aber meiner Meinung nach müsste schon seit längerem die Frage gestellt werden, welche Massnahmen mit gesundem Menschenverstand zur Zeit noch aufrecht erhalten werden sollten und welche nicht. Wenn ich mir überlege, wie wenig Schülerinnen und Schüler sich an unserer Schule mit konsequentem Maskeneinsatz bisher angesteckt haben, ist zumindest aus meiner Sicht eine Chorprobe mit Schutzmasken und Sicherheitsabstand sicher nicht besonders gefährlich. Die Schweizer Behörden haben sich dieser Frage bisher schlichtweg völlig verweigert. Ich bin mit diesen Emotionen der Unzufriedenheit nicht alleine. Und es stimmt: Ich klage gegenüber existenziellen Fragen auf verhältnismässig hohem Niveau. Aber es ist doch spannend zu beobachten, wie sich in verschiedenen Kreisen momentan eine gewisse Unzufriedenheit breit macht, die sich mit meiner deckt. Die stark einschneidenden Massnahmen des Lockdown scheinen von Tag zu Tag, an dem die Fallzahlen nicht steigen, nur wenig im Verhältnis zur effektiven Realität zu stehen.

Das heisst konkret: Die politische Elite kann es zur Zeit eigentlich nur falsch machen. Steigen die Zahlen stark an, müssen die Massnahmen bis im Sommer aufrecht erhalten werden, was viele Unternehmen und Institutionen noch stärker an den existenziellen Abgrund bringen dürfte. Steigen die Zahlen nicht an, erscheinen von Woche zu Woche die Massnahmen als unverhältnismässiger und gefährden die Glaubwürdigkeit der ganzen politischen Elite. Ich weiss nicht, wo vor ich mehr Respekt haben soll: Vor dem Virus selbst oder vor den längerfristigen politischen Folgen, die unser Umgang mit dem Virus mit sich bringen könnte....


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