Das Haus der Kantone in Coronazeiten



Im Jahr 2008 wurde in Bern das Haus der Kantone gegründet. Es soll die Zusammenarbeit der föderalistischen Schweiz stärken und Entscheidungsprozesse beschleunigen. So steht auf der Homepage des Hauses:

"Die Eröffnung des Hauses der Kantone im Jahr 2008 ist ein Meilenstein in der interkantonalen Zusammenarbeit. Als gemeinsames Dach von 13 Regierungs- und Direktorenkonferenzen und 16 assoziierter Organisationen ist es das Kompetenzzentrum der Kantone in Bern. Es vereint das Know-how der Konferenzen an einem Ort und stellt kantonalen Akteuren eine zentral gelegene Sitzungsinfrastruktur zur Verfügung. Das vereinfacht die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen und mit dem Bund, wodurch der Föderalismus nachhaltig gestärkt wird."

Seit der Gründung sind dort auch Stiftungen zur Förderung der nationalen Zusammenarbeit assoziiert, auf deren Unterstützung ich teilweise für nationale Austauschprojekte im Jugendchorbereich auch schon zählen konnte. Trotzdem konnte ich mir bei gewissen Kontakten den Eindruck nicht verwehren, dass ich es eher mit einem bürokratischen Apparat zu tun habe, als mit einer einheitlichen Institution oder Körperschaft. In der momentanen Situation dürften die Drähte im Haus der Kantone heisslaufen. So gut das überhaupt mit „social distancing" und "Homeoffice" noch geht. Auf jeden Fall ist der Schweizerische Koordinationsbedarf in Zeiten von Corona riesig. Im momentan zentral wichtigen Gesundheitsbereich hat das bisher teilweise recht gut geklappt. Es wurden sogar mehr Infrastrukturen geschaffen als bisher wirklich nötig waren. Die Zusammenarbeit der Kantone im Bildungsbereich ist jedoch bisher eher durchzogen, obwohl auch hier hoher Koordinationsbedarf besteht. Als direkt betroffener Gymnasiallehrer konnte ich beobachten, wie schon sehr früh in den Medien über die Abschlussprüfungen im Berufsbildungsbereich informiert wurde, gleichzeitig aber die national anstehenden Maturitätsprüfungen, die ebenfalls gesamtschweizerisch gesetzlich geregelt sind, praktisch noch nicht erwähnt wurden.

In meinem Fachbereich müsste ich beispielsweise eine Schülerin an den Schlussprüfungen in wenigen Wochen am Klavier begleiten, was zwingend auch gemeinsame Übzeit mit sich bringen würde. Ein Unterfangen, das zur Zeit vollständig auf Eis gelegt werden musste und im schlimmsten Fall, wenn nämlich die Prüfungen plötzlich doch noch abgelegt werden müssten, in Kombination mit den anderen Schlussprüfungen zu viel Zeitdruck und Hektik zum Nachteil der Kandidatin führen könnte . Mit diesem Problem bin ich nicht alleine. Natürlich gibt es momentan in der Welt schwerwiegendere Probleme als die Fragen zu den Schweizerischen Maturprüfungen. Es ist trotzdem erstaunlich, wie stark sich der eigentlich dringende Entscheidungsprozess verzögert hat. Der Kanton Baselland hat schon vor Ostern eine nationale Regelung der diesjährigen Maturitätsprüfungen gefordert. Vor den Frühjahrsferien dachte ich mir daher, dass sicher unmittelbar nach Ostern klar werden würde, was nun mit unseren Maturprüfungen in diesem Jahr geschehen soll. Nun ist bereits wieder eine Woche vergangen und es ist überhaupt noch nichts klar.

Guy Parmelin erwähnte in einer Medienkonferenz, dass die EDK (Erziehungsdirektorenkonferenz), die im Haus der Kantone tagt, für die nationale Regelung der Maturitätsprüfungen zuständig sei. In der heutigen Ausgabe der Regionalzeitungen kann man lesen, dass kurz vor Prüfungsstart noch völlig offen sei, ob, wann und in welcher Form die Maturitätsprüfungen in diesem Jahr in Baselland und Baselstadt stattfinden würden. Bereits verfasste Medienmitteilungen wurden wieder zurückgezogen. Der Bundesrat müsse zuerst noch via Notrecht die Durchführungen der Maturitätsprüfungen regeln. Obwohl national geregelt möchten gewisse Kantone die Prüfungen durchführen andere nicht; dritte warten einfach ab. Unser föderalistisches System gibt den Kantonen auch zu Coronazeiten einen recht grossen Handlungsspielraum. Viele Themen können damit lösungsorientiert vor Ort angegangen werden. Auf nationaler Ebene wäre es jedoch wünschenswert, wenn dringende und wichtige Entscheidungsprozesse wie die Frage der Durchführung der Maturprüfungen rascher und konsequenter gemeinsam angegangen werden könnten. Genau dafür ist das Haus der Kantone ja schliesslich da.....


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