Auf dem Filmset


Welche Kunstformen sollen Kinder ausüben und kennenlernen? Soll man ihnen die Möglichkeit geben, schon als Kind vor einer professionell geführten Kamera zu stehen, wenn sie das möchten und sich die Gelegenheit dazu ergibt?

Genau diesen Fragen waren wir ausgesetzt als in den Sommerferien ein Castingaufruf per Mail an uns gelangte. Gesucht wurde ein siebenjähriger Junge für einen neuen Kurzfilm von Xheni Alushi, einer erfolgreichen Jungregisseurin, die eines ihrer ersten Werke vor wenigen Jahren bereits in Locarno präsentieren konnte. Das Drehbuch hatte uns auf Anhieb angesprochen und der besagte, mehrfach prämierte Kurzfilm "Eva" zeugte von einer intensiven, ruhigen, ausgewogenen Bildsprache. Also wagten wir den Sprung ins kalte Wasser und stellten uns wenige Tage später mit unserem mittleren Sohn beim Produktionsteam in Basel vor. Im ersten Moment war das Ganze für alle wie ein kleines Experiment mit offenem Ausgang. Um so grösser war dann die Überraschung, als unser Sohn Maron für die Rolle einige Tage später wirklich ausgesucht wurde.

Das kleine Abenteuer ging also unverhofft weiter. Vereinbarungen, Proben- und Drehpläne mussten koordiniert werden und wir waren sehr froh, dass Marons Einsatz in zwei Szenen des Kurzfilms insgesamt doch recht überschaubar war. Es war erstaunlich zu beobachten, wie sich unser Sohn an den Drehtagen durch das Filmset überhaupt nicht irritieren lies. Er zeigte wenig Hemmungen und schaffte es bereits am ersten Tag innerhalb kurzer Zeit auf den für Kinder begehrten Platz hinter der Kamera. Die Begeisterung war gross und die beiden Drehtage gingen im Nu vorbei. In konzentriert, entspannter Stimmung konnten Marons Szenen recht schnell und nach Plan abgedreht werden.

Nach den Drehtagen suchte ich noch einige Informationen zum Cast zusammen und stellte erstaunt fest, dass Maron praktisch der einzige Darsteller in der Produktion war, der vorher noch nie beim Film mitgewirkt hatte. Ich wurde am Set mehrfach gefragt, wie Maron zu diesem Film gekommen sei, und wir erhielten erstaunlich viele positive Rückmeldungen. So waren wir innerhalb kurzer Zeit in die Welt des Films eingestiegen und fanden uns dank eines stimmigen Projektes erstaunlich gut darin zurecht. Persönlich ist der Film für mich eine Kunstform wie jede andere auch und dem Theater, Musik, Musiktheater und vielen weiteren Kunstformen gegenüber gleichwertig. Für viele Leute ist dem aber nicht unbedingt so. Kaum musste unser Sohn nämlich wegen des Films zwei Tage die Schule fehlen, gab es erstaunte Bemerkungen wie "Ich habe gehört, dass Maron in einem Film mitspielt. Wow!" Für viele Menschen hat das professionelle Filmschaffen eine mythosähnliche Bedeutung, die durchaus auch schwierige Seiten haben kann.

Die Fragereien haben sich nach einigen Tagen zum Glück und zu unserer Erleichterung rasch wieder gelegt und mittlerweile ist wieder der Alltag bei uns eingekehrt. Nun ist der Film "SAM (AT)" in der Postproduktion. Er soll ende Jahr herauskommen. Wir sind jetzt schon gespannt auf das Endprodukt....


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