Ab sofort Homeschooling

Aktualisiert: Aug 3


Anfangs dieser Woche haben wir von der Schulleitung auf Grund der akuten Entwicklung den Auftrag, erhalten, mögliche Homeschooling-Modelle für unsere Kurse vorzubereiten. Da ich jeweils am Freitag viele Lektionen unterrichte, habe ich also gestern mit allen Klassen eine kleine Einführung mit Fragerunden zum Thema Homeschooling durchgeführt. Natürlich lässt sich Musikunterricht längerfristig nicht durch Homeschooling ersetzen. Dafür ist der Verlust des aktiven gemeinsamen Musizierens zu verheerend. Als Überbrückung für eine gewisse Zeit zu Bedingungen, wie sie allen Schulen jetzt vom Bund auf Grund der Coronakrise auferlegt worden sind, scheinen jedoch auch im Musikunterricht Homeschooling-Konzepte zumindest realisierbar zu sein. Gestern Morgen fragte ich noch einen Schüler: "Was denken Sie, werden wir diese Plattform schon bald brauchen?". Einige Stunden später war die Schliessung der Schulen bereits Tatsache. Mit dieser rasanten Entwicklung habe ich wahrhaft nicht gerechnet.

An der Schule, an der ich unterrichte, wird seit zwei Jahren mit neuartigen Versuchsklassen, die ihre eigenen Laptops in den Unterricht mitnehmen und dort einsetzen können, an It-Konzepten der Zukunft gearbeitet. Das Schwierige an solchen Projekten ist, dass man die Rahmenbedingungen für alle klären und bereitstellen muss, ohne deren längerfristige Auswirkungen schon zu kennen. An unserer Schule war der erste Schritt, dass alle Schülerinnen und Schüler vor einigen Jahren Zugang zum Internet erhalten haben. In einem zweiten Schritt wurden vom Kanton für alle Klassen im neuen Office365-Paket mit Hilfe von "Teams" und "OneNote" virtuelle Klassenräume bereitgestellt. Die sogenannten "bring your own device" oder Byod-Klassen arbeiten schon seit zwei Jahren im Unterricht mit diesen Programmen. Papier wird nicht mehr verteilt, sondern alle Unterlagen werden den Schüler*innen in einer virtuellen Inhaltsbibliothek zur Verfügung gestellt und anschliessend individuell bearbeitet. Da man mit Laptops in den Händen nicht so gut musizieren kann, und Pads eher weniger häufig eingesetzt werden, muss ich im Musikunterricht gewisse Stücke häufig immer noch kopieren und im Unterricht in Papierform zur Verfügung stellen. Aufgaben, die direkt in den Noten bearbeitet werden können, lassen sich aber nach meiner Erfahrung sehr einfach auch am Computer lösen. Die Schüler*innen haben in den zwei Jahren seit Beginn des Projekts schon eine erstaunliche Virtuosität entwickelt, wie man Notentexte am Laptop bearbeiten, kommentieren und interpretieren kann. Aber es braucht wie immer etwas Übungszeit bis die neuen Tools gut umgesetzt werden können.

Nun sind ab nächstem Montag die Schulen im ganzen Land geschlossen und ich bin froh, dass ich schon auf zwei Jahre Erfahrung mit virtuellen Klassenräumen zurückgreifen kann. Der Einsatz von Computern um Unterricht ist aus verschiedenen Gründen (Kopfschmerzen, Kommunikationsverhalten, Ablenkung....) bei uns an der Schule zwar recht umstritten, aber in Zeiten von Corona sind die neuen Schulungsformen eine Möglichkeit, den Unterricht in einem gewissen Masse doch noch aufrecht zu erhalten. Ich freue mich aber jetzt schon darauf, wenn endlich auch unbeschwertes gemeinsames Musizieren in der Schulklasse wieder möglich sein wird. Vorerst heisst es aber: Musikunterricht im virtuellen Klassenraum.....Ich bin gespannt, ob unsere Server die grossen Datenmengen, die nun plötzlich anfallen, bewältigen können.

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