2021?

Aktualisiert: Jan 5


Pläne schmieden ist in der Pandemie schwierig geworden. Im letzten Jahr hat sich deutlich gezeigt, dass es in vielen speziell künstlerischen Bereichen keine Planungssicherheit mehr gibt. Die Situation ist neu und ungewohnt: Wir müssen einerseits Wege einschlagen und versuchen, eine gewisse Richtung anzustreben, andererseits haben wir keine Ahnung, ob diese Wege wirklich verfolgt werden können.

Die Unberechenbarkeit ist doppelt gross und potenziert sich. Einerseits wissen wir nicht, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird, andererseits ist es schwierig vorherzusehen, wie Gesellschaft und Politik auf die immer stärker lastenden Beeinträchtigungen reagieren werden. Der Mensch ist ein soziales Wesen und daher auf Sozialkontakte angewiesen. Die staatlich verordnete Einzelisolation wird daher immer stärker für viele Menschen zu einer real herausfordernden Belastung. Welche Konsequenzen wird das haben?

Welche Pläne lassen sich in dieser Situation noch realistisch verfolgen? Pläne, die unrealistisch erscheinen, sind oft schwierig zu realisieren und das ist bei gewissen staatlich verordnete Einschränkungen wie beispielsweise dem nationalen Chorverbot für eine ganze Szene ein echtes Problem.

Das Virus sagt uns nicht, dass wir gemeinsam nicht mehr singen dürfen, sondern der Staat. Damit nimmt die Motivation und Bereitschaft ab, sich dem gemeinsamen Singen wirklich zu widmen. Eine verheerende Entwicklung. Schon vor der Pandemie liess sich feststellen, dass Singen im privaten Kontext fern von Kommerz und Hitparade als soziale Betätigung nicht mehr so stark verbreitet war wie früher. In diesem Zusammenhang stellten wir als "singaffine" Familie eher eine Ausnahme dar. Mit "Elternkindsingen", "Tagimorgekreisli" und ähnlichen Projekten versuchte man schon vor der Pandemie diesem Manko entgegenzuwirken. Seit bald einem Jahr musste nun jedoch die ganze "singende Gesellschaft" einen zusätzlich schweren Einbruch verzeichnen.

Die Folgen dieser Entwicklung sind noch nicht absehbar. Vielleicht können sie nach der Pandemie rasch aufgefangen werden, es kann jedoch auch sein, dass durch die Pandemie kulturelle Verlagerungen im Verhalten entstehen, die gerade für einen Bereich wie das gemeinsame Singen einschneidend sein könnten.

Für mich als chorbegeisterter Musiker bleibt daher nichts anderes, als trotz momentan staatlichen Verboten, an Chorprojekten festzuhalten, in der Hoffnung, dass diese bald wieder möglich sein werden. Eine Situation, die ich so vorher noch nie erlebt habe.

Ich werde also mit meinem Erwachsenenchor weiter Zoomproben abhalten, am Gym werden wir im neuen Jahr vermehrt mit Einzelcoachings arbeiten, sowohl im Schulchor als auch im Klassenverband. Ein Jugendsinglager im April bleibt vorerst auf dem Programm; auch das europäische Jungendchorfestival, das auf den Mai 2021 verschoben wurde, wird hoffentlich auch in irgendeiner Form stattfinden können. Nach den Sommerferien soll Ende August ein "Tag der Chormusik" organisiert durch regionale Chorverbände stattfinden. Auch eine "Nacht der Chöre" ist kurz darauf in diversen Kirchen der Basler Innenstadt geplant. Mit etwas Glück kann dann im November ein geplantes Konzert für gemischten Chor und Schwyzerörgeliformation und hoffentlich im Dezember auch wieder ein offenes Singen stattfinden.

Die Pläne stehen, der Wille, Chormusik durch die Krise zu führen, ist auch da. Ob die gefassten Absichten wirklich durchgeführt werden können, ist jedoch völlig ungewiss. Es hilft nur eines: Die Situation jeweils so zu nehmen, wie sie im Moment ist. Selten war es so schwierig, realistische Pläne zu schmieden. Wie hat schon Erich Fried geschrieben: "Es ist was es ist." Das gilt momentan insbesondere auch für Pläne, die evtl. nicht durchgeführt werden können....



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