Strukturwandel in der Chorszene


Strukturelle Veränderungsprozesse werden von oft ganz unterschiedlichen Erscheinungen begleitet. Sie verunsichern die Betroffenen, machen Hoffnung, verängstigen, stellen bestehende Strukturen in Frage und es kommt daher nicht selten zu Konflikten in betroffenen Systemen. Sich von bestehenden Strukturen zu verabschieden kann unter Umständen sehr schmerzhaft oder gar existenziell bedrohlich sein. Aus diesen Gründen sollten wertvolle, historisch gewachsene Strukturen wenn immer möglich beibehalten oder wenn, nur mit Umsicht gewandelt werden.

Der Chorverband beider Basel besteht seit über hundert Jahren und hat sich zur Aufgabe gemacht, den Chorgesang der Region als Dachverband zu fördern und dessen Rahmenbedingungen zu verbessern. Der Verband war seit seiner Gründung immer wieder wesentlichen Veränderungen ausgesetzt. Ein historischer Schritt war beispielsweise die Zusammenlegung des basellandschaftlichen und basler Chorverbands zum "Chorverband beider Basel". Mit Blick auf die momentane Spitaldebatte war dieser Zusammenschluss eine reife Leistung.

Seit es den Chorverband gibt, ist auch Mitgliederschwund ein Thema. Ich habe schon Zeugnisse über Mitgliederschwund gefunden, die weit mehr als fünfzig Jahre alt sind. Trotzdem hat sich der Chorverband beider Basel stetig weiterentwickelt und verfügt auch heute noch über eine respektable Mitgliederzahl.

Ursprünglich war der Verband ein typischer Laienverband. Auch die Chorleiter des Verbands, waren vor einigen Jahrzehnten oft Laienchorleiter, die mit viel Freude und Einsatz ihre ortsansässigen Chöre leiteten. Diese Chöre waren wie andere Vereine ein wichtiger sozialer Treffpunkft in vielen Ortschaften und die Mitglieder konnten dort auf ein starkes soziales Netz zurückgreifen.

Heute hat sich diese Dynamik gewandelt. Viele Chöre werden von professionellen Musikerinnen und Musikern geleitet und formieren sich über kurze Zeit neu. Die älteren Chöre haben dabei das Problem, dass ihre Mitglieder mit ihnen immer älter werden. Neueste offene und individualisierte gesellschaftliche Wandlungen haben diese Entwicklung noch beschleunigt. So kommunizieren jüngere Chöre oft über soziale Plattformen während ältere Ensembles noch Papier bevorzugen.

Seit etwa zehn Jahren hat sich die Chorszene der Nordwestschweiz zusätzlich stark weiterentwickelt und es wurden unzählige neue Ensembles gegründet, die sehr bald mit interessanten Chorprojekten auf sich aufmerksam machten. Einzelne Gruppen dieser Entwicklung waren auch an Anlässen des Chorverbands anzutreffen oder sind gar beigetreten. Viele dieser Gruppen sind jedoch bis heute keinem Verband angeschlossen und agieren unabhängig. Die Konzertchöre machen seit jeher parallel ihr eigenes Ding und diese jüngste Entwicklung hat dazu geführt, dass der Chorverband in jüngster Zeit an Stellenwert in der Region verloren hat.

Nun scheint wieder etwas Dynamik in den Verband zu kommen, Im Rahmen der Vorbereitungen zum kantonalen Gesangsfest in Arlesheim wurde ein grosser Jubiläumschor und ein Verbandsjugendchor gegründet, die beide am Gesangsfest aktiv beteiligt sein werden. Mit Hilfe einer Statutenänderung wurden auch die Vereinsstrukturen so geändert, dass der Verband in Zukunft auf Veränderungen flexibler reagieren und dringend nötige Schritte für die Zukunfstplanung in die Wege leiten kann. Daraus ergeben sich durch Strukturwandlungen Chancen, auf wesentliche Neuerungen des noch jungen Jahrtausends angemessen oder besser gesagt mit Umsicht zu reagieren. Es wird spannend. Kommt alle

ans Gesangstfest nach Arlesheim!


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