Schulmusikkulturen in der Schweiz


......so hiess der Titel der Veranstaltung, die gestern an der Musikhochschule Luzern stattgefunden hat. Anwesend waren neben einzelnen Lehrpersonen viele Vertreterinnen und Vertreter der fachdidaktischen Ausbildungen an den pädagogischen Hochschulen. Mitorganisator war unter anderem der neue Verband „Verband Fachdidaktik Musik Schweiz", der sich seit wenigen Jahren für eine stärkere Vernetzung in fachdidaktischen Fragen rund um die Musikpädagogik einsetzt.

Fachdidaktische Forschung orientiert sich an der globalen Vernetzung. Dementsprechend nahm das Einführungsreferat die neuesten fachdidaktischen Strömung in der internationalen Forschung auf. Im globalen Raum führen vor allem Begrifflichkeitsdiskussionen im Sprachgebrauch und terminologische Missverständnisse dazu, dass im Bereich der Musikdidaktik US-amerikanische Veröffentlichungen vorherrschen. Die Referentin hat denn auch deutlich darauf hingewiesen, dass eine stärkere Aktivität der westeuropäischen Forschung sehr wünschenswert wäre. Im internationalen Kontext stellen sich in der Fachdidaktik vor allem Fragen, die im Spannungsfeld zwischen regionaler und internationaler Kulturströmungen entstehen.

95% aller Musik, die heute in den Medien vorherrscht, ist Popmusik. Eine Strömung, die notabene vor allem vom US-Amerikanischen Markt beherrscht wird. Wie Popmusik adäquat im Unterricht umgesetzt werden kann, war Thema eines weiteren Referats zu einem Projekt, das an einem Zürcher Gymnasium durchgeführt wurde. Die Resultate waren nicht sehr überraschend. Theorie ist unbeliebt, Popmusik sehr beliebt. In der praktischen Umsetzung in Gruppen wird gerne Popmusik praktiziert. Was das jedoch für den Alltag im Unterricht bedeutet und welche qualitativen Anforderungen an die Schülerinnen gestellt werden sollen, blieb völlig offen.

Anschliessend wurden Konzepte für Schulchöre an Gymnasien der Nordwestschweiz vorgestellt. In den Lehrplänen wird der Chor oft als ein Teil der musikalischen Ausbildung erwähnt, wobei die konkreten Umsetzungen meist offen bleiben. Auffällig ist, dass im Gegensatz zu früher heute die Chöre in Teams geleitet werden. In der Lehrerausbildung hat denn auch die Chorleitung einen hohen Stellenwert, die jedoch vor allem implizit erfolgt. Über qualitative Anforderungen, die eine erfolgreiche Leitung eines Schulchors bedingen, wurde nichts ausgesagt.

Von einem ganz anderen Ansatz ging eine Präsentation aus, die Musik als ganzheitliches Prinzip der kulturellen Teilhabe verstand und im Unterricht interdisziplinär und vernetzend, vielfältig eingesetzt werden kann. Der Musikunterricht wird dabei explizit im interdisziplinären Kontext eingesetzt und hat meist keine impliziten Charakter, bzw. hängt die Qualität der musikalischen Arbeit von der Arbeitsmethode der unterrichtenden Lehrpersonen ab.

Zusammenfassend habe ich beobachtet, dass es „die Schulmusikkultur“ in der Schweiz nicht gibt. Vielmehr befindet sich auch die tertiäre Ausbildung in einem Transformationsprozess im Umfeld globaler und gesellschaftlicher Wandlungen. Es bleibt zu hoffen, dass die teilweise noch deutlich spürbaren Grabenkämpfe verschiedenster didaktischer Auffassungen

zu Gunsten eines sinnvollen, lösungsorientierten Transformationsprozesses beigelegt und gemeinsam an praxisrelevanten Modellen gearbeitet werden kann.

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